Jod gegen radioaktive Strahlung

Kategorie(n): Aktuelles

Ist eine vorbeugende Einnahme von Jodpräparaten sinnvoll?

Durch die aktuelle Situation in der Ukraine ist die Angst vor radioaktiven Strahlen sehr groß geworden und die Nachfrage nach Jodtabletten ist enorm gestiegen. Wir werden täglich in der Apotheke damit konfrontiert.

Wir möchten ein paar wichtige Aspekte zur Notwendigkeit bzw. über den Kauf jodhaltiger Präparate erläutern und entschärfen.

Bei radioaktiven Strahlungen wird Jod zum Schutz vor bestimmten negativen Wirkungen der Radioaktivität eingesetzt. Es kommt dabei auf die richtige Menge und den richtigen ZEITPUNKT der Einnahme an.

Aber vorab sollten wir uns die Wirkungsweise anschauen.

Unsere Schilddrüse benötigt für die Produktion von Schilddrüsenhormonen Jod, dieses nehmen wir ausreichend über jodhaltige Lebensmittel auf.

Bei einem nuklearen Unfall oder einem nuklearen Angriff wird das radioaktive Jod 131 freigesetzt, dieses wird genauso wie das nicht-radioaktive Jod von unserem Körper aufgenommen und in der Schilddrüse einlagert. Dort kann es Schilddrüsenkrebs verursachen.

Nehmen wir zum richtigen Zeitpunkt eines radioaktiven Ausbruches genug nicht-radioaktives Jod (speziell hochdosierte Tabletten) zu uns, wird die Aufnahme von radioaktivem Jod in der Schilddrüse blockiert. Dieser Vorgang muss aber zwingend innerhalb weniger Stunden nach der Strahlenfreisetzung passieren.

Selbstmedikation ist keine Option!

Die freiverkäuflichen Präparate sind nur Nahrungsergänzungsmittel und eignen sich genauso wenig wie die Jodtabletten, die zur Behandlung bei einer Schilddrüsenerkrankung eingesetzt werden, zum Schutz bei Radioaktivität. Diese Mittel enthalten zu wenig Jod, um die Schilddrüse zu sättigen und diese vor der Aufnahme des radioaktiven Jods zu blockieren.

Im Vergleich: Die hochdosierten Jodtabletten enthalten mindesten 65-130 mg Kaliumjodid und sind für eine einmalige Einnahme angesetzt, wohingegen in Nahrungsergänzungsmittel nur 100-200 µg enthalten sind. Man müsste mehrere 100 Tabletten einnehmen, um überhaupt in die Nähe der hochdosierten Tabletten zu gelangen.

Von einer Selbstmedikation ist dringend abzuraten, eine vorbeugende Einnahme ist gefährlich und zugleich unnötig.

Behörden haben Tabletten für den Notfall eingelagert.

Die Bundesrepublik hat 190 Millionen Tabletten zum Schutz der Bevölkerung eingelagert. Von der offiziellen Katastrophenschutzbehörde wird über verschiedene Medien und oder Lautsprecher jeder Bürger informiert und die Ausgabestellen bekannt gegeben.

An die gesamte Bevölkerung unter 45 Jahren, einschließlich Baby, Kinder und Jugendliche und Schwangere wird das hochdosierte Jod ausgegeben.

Ab 45 Jahren wird das hochdosierte Jod nicht mehr angeraten und deshalb auch nicht mehr verteilt.

Ältere Menschen profitieren nicht von der Einmaleinnahme des hochdosierten Jodes, sondern für sie besteht ein zu hohes Risiko für eine jodinduzierte Schilddrüsenunterfunktion, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden kann.

Auch sollten wir wissen, dass die Einnahme von Jodtabletten ausschließlich die Schilddrüse blockiert und nur vor radioaktivem Jod schützt und nicht vor der Wirkung anderer radioaktiver Stoffe.

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